Raus aus der eigenen Filterblase.

Die Wahrnehmung unserer Umwelt ist ein wundersames Ding. In aktuellen Untersuchungen von Zeugenaussagen bei Kriminalfällen ist man zum Schluss gekommen, dass man den Aussagen der Zeugen nicht uneingeschränkt glauben kann. Das Fluchtauto war rot, nein blau, es war ein Kombi.

Wir nehmen unsere Umwelt mit den eigenen Filtern wahr. Das ist ganz natürlich – aber auch gefährlich. So sehen wir nur unsere eigene, eingeschränkte Wirklichkeit.

Vorsicht vor der eigenen Filterblase - offenen Netzwerken gehört die Zukunft

In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • Was Filterblasen so gefährlich macht.
  • Was Unternehmen gegen Filterblasen unternehmen können.

Was ist eine Filterblase?

Gleich zu gleich gesellt sich gern. Dieses Sprichwort ist ein Urinstinkt. Wir umgeben uns gern mit Leuten, die zu uns passen. Wir passen uns auch gerne an, um dazu zu gehören. In unser Peer-Group fühlen wir uns wohl. Manchmal grenzen wir uns damit auch nach außen ab. Natürlich bewegen wir uns nicht nur in einer Gruppe – aber dazu später mehr.

Der Nachteil dieser Verhaltensweisen ist, dass sich die Meinungen in der Gruppe angleichen. Man hat die gleichen Erlebnisse, tauscht sich über ähnliche Themen aus. Alle bewegen sich im gleichen Dunstkreis. Jede/r bleibt auf bekanntem Terrain. Das schränkt Sichtweisen ein.

Gut beschreiben lassen sich Filterblasen durch die Nutzung unserer sozialen Medien. Facebook oder Google versuchen unsere Interessen vorauszuahnen. Nicht allen ist bekannt, dass ein Google Suchergebnis trotz desselben Suchbegriffs bei jedem anders aussehen wird. Gleichzeitig stellt Facebook für den Einzelnen gerne solche Inhalte dar, die nach seiner Berechnung zur jeweiligen Person passen. Katzenfreunde bekommen mehr Katzenbeiträge als andere.

Eine Filterblase ist nach meiner Definition ein Wahrnehmungsfilter für den einzelnen oder in Gruppen, die nur einen für uns stimmigen Teil der Wirklichkeit durchlassen. Alles andere wird ausgeblendet. Existiert quasi nicht.

Filterblasen in Unternehmen

Es kann eine Menge Filterblasen in Unternehmen geben. Der Kreis der gehobenen Führungskräfte, die sich nur untereinander treffen oder jeder Fach-Bereich bis runter zu den einzelnen Teams. es können auch andere Merkmale sein wie z. B. die Gruppe der jungen oder langjährigen Mitarbeiter oder die agilen von den klassisch arbeitenden Mitarbeitern. Oft grenzt sich eine Gruppe von einer anderen ab. So ist für den IT-Bereich u. U. mancher Fachbereich befremdlich und umgekehrt.

Die Gruppe bestimmt die Wahrnehmung. Die Führungskraft hat dabei eine große Rolle. Klassiker sind die Spannungen zwischen dem Vertrieb und dem Marketing. Zwischen der Produktion und der kaufmännischen Verwaltung usw.. Irgendwie ein Teil der eigenen Gruppenidentität – wir und die anderen.

Warum Filterblasen so gefährlich sind.

Filterblasen beschränken unsere Wahrnehmung.

Wenn das Marketing sich vom Vertrieb abgrenzt, geht es nicht mehr allein um sachliche Fragestellungen oder Lösungen.

Wir können das gerade in der Polarisierung der amerikanischen Gesellschaft beobachten. Die einen fühlen sich im Recht, die anderen haben unrecht. Durch die verzerrte Wahrnehmung lassen sich nur schwer Brücken bauen.

Wenn die Führungskräfte zu stark unter sich sind, verlieren Sie den Bezug zu der Mitarbeiterebene. Alle Informationen werden über vorhergehende Führungsebenen oder Berichte gefiltert. Ganz ehrlich, was genau sagt eine Kennzahl über Kundenzufriedenheit eigentlich noch aus.

Wenn eine Firma so „im eigenen Saft schwimmt“ besteht die Gefahr, dass die Konkurrenz bereits andere Wege geht.

Wenn Querköpfe von der Gruppe abgelehnt werden, geht gute und wichtige Aspekte verloren.

Auch die Kultur eines Unternehmens wirkt wie ein Filter. Sie kann unter Umständen bestimmen, wer dazugehört und wer nicht. Es wird der passende Kollege für das Team gesucht. Warum eigentlich?

Wie soll sich ein Team weiterentwickeln, wenn es keine Reibung gibt. Alles wird gleichförmiger. Wie soll dann Innovation entstehen?

Die Zukunft gehört den offenen Netzwerken.

Wie kann ein Unternehmen sich davon lösen? Ganz einfach in dem es mischt. Ebenen, Bereiche, Menschentypen, langjährige und junge Mitarbeiter usw..

Ob privat oder beruflich – es ist günstig sich in verschiedenen, auch heterogenen Gruppen zu bewegen oder auch mal bewusst ein solche Gruppe für ein Feedback zu nutzen.

Das ist am Anfang vielleicht ungewohnt, kann aber ungemein inspirieren.

Wenn über die letzten Jahre das Bereichs- und Silodenken, die Normalität war, dann müssen solche Strukturen liebevoll aufgebrochen werden. Das ist aktive Kulturentwicklung. Der einzelne Mitarbeiter und insbesondere die Führungskraft muss lernen, dass in der offenen Zusammenarbeit mehr Chancen entstehen.

Meeting-Formate müssen überprüft werden, formale Kriterien für Teilnehmer aufgelöst werden. Es geht ohnehin um kleine schlagkräftige, hochflexible Einheiten, die sich nach Bedarf finden und dann auch wieder auseinandergehen. Es ist mehr freie Selbstorganisation gefordert.

Gute Ansätze sind auch neue Meeting-Format wie „Lean-Coffee“ oder die guten alten „Management by walking around“-Ansätze. Neuerdings werden diese auch „Gemba“ genannt. Sie dazu auch mehr im Kasten rechts bzw. mobil weiter unten.

Ein Kultur- oder Organisationsentwickler kann helfen.

Lernen Sie einen Ansatz für kulturelle Keimzellen kennen. Kulturelle Veränderung direkt dort erzeugen, wo sie gebraucht werden in kleinen wirkungsvollen und nachhaltigen Schritten.

Veränderung von innen mit einer hohen Beteiligung der Führungskräfte und Mitarbeiter.

Dieser Weg der Kulturveränderung lässt sich in unterschiedlichen Fragestellungen nutzen für sich alleine oder im Kontext mit anstehenden Veränderungen. Sprechen Sie mich an. 

In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • Was Filterblasen so gefährlich macht.
  • Was Unternehmen gegen Filterblasen unternehmen können.

Aus der Praxis

Ich hatte mal eine Veranstaltung, wo die Geschäftsführung mit dem höheren Management mit Mitarbeiterinnen aus den Kundencenter gemeinsam einen Workshop veranstaltet hat. 

Es war beeindruckend, wie die Mitarbeiterinnen offen über Themen und Missstände aus ihrer Kundenpraxis erzählten. Sie zeigte auch, wieweit das Management von den tatsächlichen Problemen auf der Kundenseite entfernt waren.

Gemba

Kommt aus dem japanischen und wird im Lean Management verwendet. Gemba steht für „den realen Ort“.

Man kennt dies in ähnlicher Form von dem Begriff Management by walking around.

Die Geschäftsführung oder das Management begibt sich regelmäßig vor Ort direkt zu den Teams oder Mitarbeitern und geht offen ins Gespräch. Und das nicht nur einmal im Jahr.

Mehr Infos unter der Wikipedia oder bei Google.

Mehr darüber gibt es bei Wikipedia oder bei Google.

Lean Coffee

Auch eine schöne Idee. Jeder kann über einem Zettel an der Tür andere zu einem Termin einladen. Jeder kann kommen. Alles läuft selbstorganisiert und freiwillig.

Im Termin werden mögliche Beiträge vorgestellt und von den Teilnehmern bepunktet. Der höchst bepunktete Beitrag startet und hat ein klares Zeitfenster, bei Interesse mit Verlängerung.

Retrospektiven

In vielen Bereichen wird intensiv zusammengearbeitet. Probleme werden erörtert, Lösungen gesucht. Manist meistens fachlich unterwegs.

Seltener wird über das Zusammenarbeiten an sich gesprochen. Wie läuft eigentlich die Zusammenarbeit, was stört, was könnten wir verbessern? 

Glaubst du an Gott?

Keine Angst, ich starte jetzt keine religiöse Diskussion.

Eine schöne Idee, die Filterblase mal zu durchbrechen, ist eine ungewöhnliche Frage zu stellen.

Ist mir mal im Freundeskreis passiert. Mitten im Small talk stellte jemand diese Frage. Kurz waren alle verdutzt. Daraus entspannte sich eine hochinteressante und vielfältige Diskussion.

Schubladen-Denken

Schwierig wird das mit den Filterblasen, wenn Vorurteile oder Verallgemeinerungen stattfinden. Menschen vorschnell in Schubladen gesteckt werden. Vor einiger Zeit habe ich dazu einen Artikel geschrieben. Mehr erfahren.