Ein Plädoyer den Begriff „Führungskraft“ komplett abzuschaffen.

Es liegt mir fern allen Führungskräften ihre Stelle zu rauben. Es geht hier um einen mentalen Change. Er soll uns mit einem Gedankenspiel helfen, alte Gedankenmuster abzulegen und offen und vor allem freier für das Neue zu werden. Diesen Artikel habe ich auch auf LinkedIn-Profil in abgewandelter Form veröffentlicht. Dort gibt es noch mehr von mir zu lesen.

Es gibt Firmen, die arbeiten ohne Chefs.

Ich war auf einem Vortrag über die Firma Premium Cola. Ich weiß gar nicht, ob die sich selbst überhaupt Firma nennen oder eher Interessensgruppe. Auf jeden Fall organisieren sie die Herstellung und den Vertrieb von Premium Cola und anderen Getränken. Immerhin verkaufen Sie 1,5 Mio. Flaschen pro Jahr über ganz Deutschland verteilt und das ohne klassische Werbung oder Marketing. Ich hoffe, ich gebe alles richtig wieder.

Das besondere an der Firma ist. Die Firma arbeitet im Kollektiv. Ganz ohne Chefs. Alle Aktivitäten werden gemeinsam besprochen und im Konsens entschieden. Klingt erst einmal verrückt. Alle verdienen das gleiche und die Grenzen zwischen der „Firma“ und außen zu den Getränkeabfüllern, Logistik-Partnern usw. sind irgendwie fließend. Dort arbeiten 50 Personen aktiv, meistens Teilzeit. Es gibt in dieser Firma keinen einzigen schriftlichen Vertrag. Alles läuft per Handschlag und Vertrauen. Und das Ganze funktioniert schon über 19 Jahre. Das einzige Regelwerk ist ein gemeinsam entwickeltes Betriebssystem zur Orientierung nach Innen und Außen.

Wer mehr darüber wissen will, kann sich über deren Webseite informieren: Premium Cola Betriebssystem.

Wer mehr über diesen grundlegenden Ansatz verstehen möchte, findet mehr darüber unter den Begriffen Soziokratie oder Holokratie.

Was leite ich jetzt daraus ab?

Es gibt heute viel Diskussionen darüber, ob und wie viele Führungskräfte ein Unternehmen braucht und mit welcher zukünftigen Rolle oder Aufgabe Führungskräfte unterwegs sein werden.

Als ich dem Vortrag von Premium Cola lauschte, befand ich mich in einem inneren Widerstreit. Ich muss gestehen, einerseits fand ich den Gedanken inspirierend, andererseits meldete sich bei mir ein Gefühl von innerem Widerstand.

Ich war über 20 Jahre Führungskraft vom kleinen Team bis zu großen Bereichen. Ich war immer von der Notwendigkeit überzeugt, dass ein Unternehmen Führung bzw. Führungskräfte braucht. Das war auch meine Existenzbestätigung und habe meine Kraft darauf verwendet mein Team zum Ziel zu führen ganz im Sinne des Unternehmens. Die Lösung von Aufgaben zu fördern. Orientierung zu geben und im Zweifelsfall im Kleinem und Großem Entscheidungen zutreffen mit Hilfe der ganzen Palette der Menschenführung.

Jetzt stellt sich mir die Frage: Diskutieren wir diese Frage von Führung der Zukunft vom falschen Ende?

Wir reden von den zukünftigen Aufgaben und Rollen der Führungskräfte. Jedes Unternehmen hat davon ja eine Menge. Sie brauchen auch eine Orientierung, wo es für sie weiter lang gehen soll.

 Vielleicht sollten wir uns besser vom Begriff Führungskraft komplett lösen.

Wir legen den Job Führungskraft im Sinne von einer Funktionsstelle im Organigramm mit Mitarbeiter-/Budgetverantwortung, Kompetenz- und Entscheidungsräumen komplett ad acta.

Klingt radikal. Aber vielleicht sind wir am Kern der Veränderung.

Die ganze Diskussion, ob wir Führungskräfte brauchen und für was, ist viel zu abstrakt – old school. Eigentlich ist nur die Frage relevant, was braucht die Firma, um erfolgreich zu arbeiten und in ihren Kernzielen

Was braucht die Firma zur Sicherung Ihrer Zukunft eigentlich konkret?

Nehmen wir mal an, dass das Unternehmen für sich erkannt hat, dass es überlebensnotwendig ist, schneller, flexibler und agiler zu arbeiten. Dass die Firma die Probleme von morgen nur noch effizient lösen kann, wenn offener, transparenter in Netzwerken gearbeitet wird, wo jeder seine Kompetenz bestmöglich einbringen kann. Dass aufgrund der Unsicherheit über zukünftige Entwicklungen ein iteratives, experimentelles Vorgehen erforderlich ist, wo in kurzen Zeitabständen das relevante bunt gemischte Working-Team selbst-steuernd entscheidet, was der beste, nächste Schritt ist.

Es geht dann für die Menschen von morgen nicht um Stellen, sondern um den richtigen Mindset, die richtigen Kompetenzen, die richtige Reife für die neue Welt, damit das Unternehmen am Ende erfolgreich sein kann. 

Dann stellt sich meines Erachtens nicht mehr die Frage, in welcher neuen Rolle und Aufgabe Führungskräfte in der Zukunft unterwegs sind. Es geht vielmehr um Kompetenzen und Fähigkeiten und wo der Mensch Führungskraft diese bestmöglich im Sinne des Unternehmens einsetzen kann. Und wie wichtig es ist, die Kompetenzen zielgerichtet weiter zu entwickeln.

Eine Rolle festzulegen und mit einer Person zu verknüpfen, ist viel zu starr. Vielmehr hat der Mensch zukünftig verschiedene Rollen parallel oder im Wechsel.

Was heißt das für die Führungskräfte?

Es gibt für sie nicht mehr die starre Verantwortung für ein Kästchen im Organigramm mit Mitarbeiter- und Budgetverantwortung. Aber Führung wird nach wie vor gebraucht. Vielleicht geschieht sie dann in flexiblen Themen- und Projektbereichen. Die Führungskraft wird dann zum Promotor, Moderator, Enabler, Impulsgeber,… you name it!

Hier ist Menschenführung im neuen Sinne gefragt. Und vielleicht ist sie von Zeit zu Zeit auch mal ein einfaches Teammitglied. Lösen wir uns von den starren Strukturen.

Manche Skills der Vergangenheit sollte der Mensch Führungskraft schnell ablegen und es gibt eine Menge neues zu lernen.

Ein Coach kann helfen

Wer lange Erfahrung in der Führungsarbeit hat, wurde auch durch die Zeit geprägt. Es ist ganz normal, dass sich Denkmuster eingeprägt haben.

Die Kunst ist sie zu erkennen und sich von ungeeigneten Denk- und Handlungsmustern zu lösen, sie loszulassen und durch neue zu ersetzen.

Erst dann kann der Blick auf’s Neue offener und freier werden. 

In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • Geht es auch ohne Chefs?
  • Warum wir uns vom Begriff Führungskraft lösen sollten.

Aus der Praxis

Ich wurde als Führungskraft das erste Mal damit konfrontiert, als ich von einem neuerdings agil arbeitenden Team zu hören bekam: „Ich hätte garnichts mehr zu sagen. Sie würden jetzt selbstverantwortlich arbeiten.“, da war ich irritiert.

Egal ob richtig oder falsch. Es hatte sich etwas geändert und das stellte meine Rolle als Führungskraft in Frage. Anarchie dachte ich. Das geht doch nicht. Wer ist denn in Zukunft dafür verantwortlich, dass das Unternehmen ganzheitlich nicht die Richtung verliert und noch viele Fragen mehr.

Im ersten Moment war ich im Widerstand, man kann doch nicht so einfach die Regeln ändern. Besser wäre es gewesen sich dem neuen offen zu nähern. Zu verstehen, wie es funktioniert, die eigene Rolle in einer neuen Welt zu finden und aktiv zu gestalten.

Nein, es kann nicht jedes Team komplett selbst bestimmen, wo es lang geht. Obwohl das im ersten Moment für das Team sexy klingt. Sie sind ein Teil eines Ganzen. Hier ist wieder Führung gefragt. Aber anders als vorher.

Lesen Sie meinen Beitrag:

Typische Denkmuster

Eine kleine zufällige Auswahl. Welche „alten Denkmuster“ kennen Sie.

Alles Vorgehen muss mit den oberen Ebenen abgestimmt werden.

Ich entscheide als Chef, wo es lang geht. Ich bin der, der die Erfahrung und den notwendigen Überblick dazu hat.

Ich muss über die Aktionen in meinem Bereich regelmäßig informiert werden.

Ich arbeite in Routinen und Meetings mit meinen Führungskräften und Mitarbeitern zusammen.

Verantwortung ist nicht delegierbar.

Ich weiß genau, was für meinen Bereich wichtig ist.

Wer von meinem Bereich etwas will muss mit mir sprechen. Ich bin verantwortlich für Budgets und Ressourcen.

 

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