Schon wieder ein Workshop. Ich haue ab.

Warum Workshops oder Team­entwicklungs-Maßnahmen allein für Veränderungen nicht ausreichen. Veränderungen brauchen einen intelligenten Prozess.

Ich bekomme oft Anfragen einen Workshop-Tag zu begleiten – oder eine Teamentwicklung neudeutsch ein „Offsite“ zu gestalten. Die Hoffnung liegt auf der Hand.  Man ist mal frei vom Tagegeschäft und kann in Ruhe über die Zusammenarbeit sprechen. Das Ziel ist mehr Zusammenhalt im Team zu schaffen oder einfach mal Zeit füreinander zu haben. Oft wird auch das gemeinsame Zusammensein am Abend z. B. bei einem Bier angesprochen.

Ja, stimmt alles. Nur reichen in der Regel Ein-Tages-Workshops bei weitem nicht aus, um eine wirkungsvolle und nachhaltige Veränderung im Team zu erreichen. Warum das meiner Meinung nach so ist.

Vorsicht vor der eigenen Filterblase - offenen Netzwerken gehört die Zukunft

In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • Workshops allein reichen nicht für Veränderungen.
  • Veränderungen sind immer fortlaufende Prozesse mit einer Vielzahl von Schritten.

Das Thema der ein-Tages-Fliegen.

Es gibt einen Fliegenart, die lebt genau einen Tag. Danach ist die nächste Generation dran. Übertragen auf das Thema Workshops bedeutet das, man arbeitet einen Tag intensiv zusammen und dann kommt wieder der Alltag und bügelt alles platt.

Ich habe in meiner damaligen Firma unzählige Workshops erlebt. Nicht selten endet ein oft schöner Tag in einer angenehmen Atmosphäre mit einer To-Do-Liste mit Verantwortlichkeiten. Es werden viele Themen angerissen. Diese warten dann auf die weitere Bearbeitung. Die Bearbeitung startet mit Elan. Über den Zeitverlauf besteht jedoch die Gefahr, dass die Themen versanden.

Natürlich gibt es unterschiedliche Arten Workshops zu gestalten. Ich finde das Arbeiten in Workshops durchaus sinnvoll. Je nach Themensetzung und Teamzusammensetzung können Workshops super erfolgreich sein. 

Die große Frage ist, wie werden Workshops in das vorher und nachher eingebettet. Und wie vermeidet man „leblose“ Maßnahmenlisten?

Das praxisferne Offsite

Es passiert nicht selten. Der Workshop wird aufwendig vorbereitet. Es gibt eine klare Agenda. Schöne Übungen. Vielleicht wurden vorher Themen bei den Mitarbeiter*innen abgefragt.

Alle reisen an, der Tag beginnt. Es gibt ein schönes Warm Up. Und dann? Dann starten gefühlt alle bei kurz über null. Gestern war Alltag, heute geht es z. B. um die Ausrichtung des Bereichs oder die Zusammenarbeit.

In der Regel fehlt eine intensive Auseinandersetzung mit den Themen vor dem Workshop. Daher der Kaltstart. Und nach dem Workshop holt einen schnell der Alltag ein. Es war schön miteinander – die Ergebnisse verblassen schnell. Vielleicht bleibt der Teamgeist. Mal eine gute gemeinsame Zeit verbracht zu haben.

Veränderung ist keine Ein-Tages-Fliege.

Wenn Ihr Ziel ist, Veränderungen in Ihrem Team anzustoßen, dann braucht es mehr als einen Workshop.

Veränderung ist immer ein fortlaufender Prozess mit vielen klaren aufeinander aufbauenden Einzelschritten.

Aus systemischer Sicht fängt man an einer Stelle an, ohne unbedingt zu wissen, wo man am Ende rauskommt. Es entwickelt sich von innen heraus, selbstorganisiert. Man startet mit ergebnisoffenen Gesprächen. Handlungsfelder werden analysiert. Es entwickeln sich offene Diskussionen in der Gruppe. Teams organisieren sich selbst. Dazu nutzt man neue Gruppenformate wie ein Lean Coffee-Treffen, Open space, ein Barcamp oder ein Fishbowl. Feel free: offen, chaotisch, kreativ, selbstinitiativ.

Es braucht bewegliche Ziele, klare Strukturen, Feedback- Schleifen. Die Führungskraft ist nicht immer dabei. Muss auch nicht alles steuern und initiieren. Es müssen auch nicht immer alle beteiligt sein. Mitmachen kann jeder der etwas beizutragen hat.

Veränderung findet sowohl bei Ihnen als Führungskraft als auch in Ihren Teams, bei Ihren Mitarbeiter*innen statt. Am besten mit einem starken Bezug zum tatsächlichen Arbeiten im direkten Dialog. Nicht von oben oder außen verordnet. Offen von innen heraus. 

In diesem Verlauf kann es sinnvoll sein, irgendwann auch mal einen Workshop zu starten. Auch vielleicht mal um in einem Zwischenschritt ordentlich die Ergebnisse zu feiern. Übrigens muss man dazu gar nicht ein oder mehrere Tage in ein Hotel fahren. Es kann auch ein Kamingespräch am Abend in einer besonderen Atmosphäre sein.

Die Nutzung agiler Veränderungs­zyklen

Eine besondere Form Veränderung zu gestalten, kann die Einrichtung von agilen Veränderungsteams sein. Eine flexible Gruppe nimmt sich ein Thema vor. Dieses wird in festen Zyklen agil bearbeitet. Das kann in Terminen parallel zum Arbeiten oder wie ein Projektabordnung sein. D. H. die Gruppe nimmt sich für den Zeitraum z. B. von 4 Wochen ein Ziel mit einem klaren Ergebnis vor. Am Ende wird dieses dann direkt umgesetzt und erprobt, bevor der nächste Zyklus startet.

(erstellt 07.04.2021)

Nutzen Sie meine Expertise als Veränderungsbegleiter.

Ich begleite gern Führungskräfte und Teams durch einen fortlaufenden Veränderungsprozess. Wir starten mit einzelnen Gesprächen, reden über Ziele und Handlungsfelder. Für diese Fragestellungen finden sich Teams. Diese arbeiten selbstorganisiert oder agil. Parallel findet ein offener Kommunikationsprozess statt. Der Prozess wird offen gestartet und Schritt für Schritt begleitet.

In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • Workshops allein, reichen nicht bei Veränderungsprozessen.
  • Veränderungen sind immer fortlaufende Prozesse mit einer Vielzahl von Schritten.

Aus der Praxis

Ich weiß, es gibt heute eine Vielzahl von Begriffen. Damals hießen sie noch Arbeits- oder Führungstagungen.

Immer vollgepfropft mit einer Vielzahl von Themen. Ein Tagungs­ordnungs­punkt nach dem anderen. Und am Ende die gefürchtete Maßnahmenliste.

Wie wäre es mal mit einer offenen Tagung ohne Agenda. Mit nur einem Thema?

Teamentwicklung und Spaß

Viele setzen auch auf den Eventcharakter. Von Bogenschießen über Klettergarten bis zu gemeinsamen kreativen Projekten. Hat ein bisschen etwas von Animation.

Positiv ist, man lernt sich auf jeden Fall besser kennen. Auch beim Zusammensitzen am Abend oder zwischendurch kann es neue Kontakte und Verbindungen geben.

Spannend ist die Frage, wie das auch stärker im Arbeitskontext verankert werden kann. Nichts verbindet mehr als ein offenes Miteinander in der Zusammenarbeit und der gemeinsame Erfolg.

Selbstgesteuert

Hat was mit Vertrauen in die Power der Mitarbeiter*innen zu tun. Oder wie weckt man den Tiger im Tank. Wie gelingen Veranstaltungen ohne Vortänzer?

Oft werden Workshops und Teamentwicklungsmaßnahmen durch den Chef mit Hilfe aus der PE oder einem externen Moderator initiiert.

Warum eigentlich nicht durch die Mitarbeiter*innen selbst. Oder durch ein kleines Team oder mehrere kleinere Teams. Dabei kann gern kleiner gedacht werden. Eine Stunde Lean Coffee, zwei Stunden im working space bzw. Teamraum oder virtuell mit selbstgesteuerten Break Rooms.

Pflicht zur Teilnahme?

Müssen eigentlich immer alle Mitarbeiter*innen dabei sein oder die Führungskraft. Warum nur aus einer Abteilung? Warum nicht über verschiedene Ebenen?

Warum nicht es mal den Mitarbeiter*innen selbst überlassen, jemand aus der Nachbarabteilung einzuladen oder die Veranstaltung gleich ganz offen zu gestalten – passend und eigeninitiativ zur Themenstellung.

Ziele und Inhalte

Ist es möglich Veranstaltung offen zu gestalten und sich trotzdem nicht im vielen zu verlieren? Wie findet man in einem guten Konsens den roten Faden?

Themenbearbeitung mit Tiefgang

Es gibt den schönen Spruch „Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut“. Wie gelingt eine fortlaufende Themenbearbeitung, wo eine tiefgreifende Analyse Platz hat und trotzdem ein schneller Fortschritt möglich wird?